Mittwoch, den 08. April 2026
Textiles Recycling – Vorteile und Herausforderungen
Das Ziel: Kleidungsstücke aus umweltverträglichen Materialien, die ressourcenschonend produziert und gepflegt werden, eine lange Lebensdauer haben und sich dann wieder recyclen lassen. Das ist auch für textile Mietdienstleister wie die DBL Thema. Im Interview mit Keno Rutsch, dualer Student (BWL- Digital Marketing & Sales) beim DBL Vertragspartner der Kuntze & Burgheim Textilpflege GmbH, der sich in einer wissenschaftlichen Arbeit mit dem Thema auseinandersetzte.
Herr Rutsch, wo sehen Sie aktuell die Potentiale von Textilrecycling?
In erster Linie bietet das Textilrecycling natürlich ökologische Potenziale. Durch das Recyceln von Alttextilien entsteht ein Sekundärrohstoff, der zum Teil in neuen Textilien verwendet werden kann. Dadurch werden Primärrohstoffe eingespart. Da Primärrohstoffe, wie Baumwolle und Polyester, in der Bereitstellung viel Wasser und CO2 verbrauchen, kann dies durch das Textilrecycling deutlich eingespart werden. Außerdem könnten die enormen weltweiten Textilabfallmengen reduziert werden. Viele Alttextilien landen auf riesigen Deponien, bspw. in Afrika. Langfristig kann das Textilrecycling auch ökonomische Potenziale bieten, jedoch müssten dafür die verschiedenen Recyclingverfahren noch weiterentwickelt werden und die Wertschöpfungskette ausgebaut werden.
Wo liegen die größten Herausforderungen?
Herausforderungen bestehen definitiv zurzeit noch in der Recyclingfähigkeit vieler Gewebearten. Viele Produkte bestehen aus komplexen Gewebezusammensetzungen, bei denen noch lange nicht alle Gewebearten recyclingfähig sind. Hinzu kommen Fremdkörper wie Knöpfe, Reißverschlüsse, Beschichtungen oder Veredelungen, die vor einem Recyclingprozess entfernt werden müssen. Die Herausforderung dabei besteht darin, eine Sortenreinheit herzustellen, die für viele Recyclingverfahren notwendig ist bzw. präferiert wird, da in der Regel die Sortenreinheit ausschlaggebend für die Output-Qualität ist. Darüber hinaus sind noch nicht alle Recyclingverfahren industriell anwendbar. Ein mechanisches Verfahren ist zwar industriell machbar, jedoch werden durch den Zerreißungsprozess die Fasern immer kürzer und die Output-Qualität leidet. Durch die Kürze der Fasern können F2F-Recyclingprodukte nicht zu 100 % aus dem produzierten Rezyklat hergestellt werden.
Was sind hier explizit auch ökonomische Herausforderungen?
Aufgrund der hohen Kapitalintensität der meisten Recyclingprozesse stellt die Verwendung von recycelten Materialien i.d.R. keinen wirtschaftlichen Anreiz für Textilproduzenten dar. Hohe Bearbeitungskosten und fehlende Verbindungen in der Wertschöpfungskette erhöhen ebenfalls die Verkaufspreise von F2F-Produkten. Fast-Fashion-Produkte sind im Vergleich meist günstiger, daher könnten Unternehmen mit Gewinnerzielungsabsicht den Einsatz von Rezyklaten aus wirtschaftlicher Sicht als wenig rentabel ansehen.
Was sind hier die Besonderheiten des textilen Mietservice?
Gerade im textilen Mietservice besteht der Vorteil, dass wir unsere Artikel in der Regel samt der Stoffzusammensetzung kennen, wir können also relativ einfach die Recyclingfähigkeit feststellen und eine Sortenreinheit gewährleisten. Das würde die Arbeit von Recyclingunternehmen deutlich entlasten und könnte Kosten im Sortierungsprozess einsparen.
Bleiben wir beim regionalen DBL Werk DBL Kuntze & Burgheim – wie ist hier der Status Quo? Geben Sie uns einen Blick in die Praxis.
Wir haben eine Zeit lang mit einem Recyclingunternehmen zusammengearbeitet, welches jedoch kein F2F-Recycling betrieben hat, sondern Open-Loop-Recycling, d.h. die Alttextilien wurden in alternativen Produkten wieder eingesetzt. Durch die Insolvenz des Recyclingunternehmens konnten wir diese Kooperation nicht fortführen. Zum jetzigen Zeitpunkt haben wir noch keine Alternative gefunden. Das ist einer der Gründe, wieso ich das Thema für die wissenschaftliche Arbeit* ausgewählt habe.
Wo sehen Sie hier Chancen?
Zum einen kann durch F2F-Recycling der DBL-Servicekreislauf vervollständigt werden. Der Kreislauf ist schon sehr nachhaltig, er setzt auf lange Einsatzzeiten durch Reparatur und Wiedereinsatz von Berufskleidung. Zusätzlich könnten Alttextilien recycelt werden und als F2F-Produkt, sofern industriewäschetauglich, wieder im Mietservice eingesetzt werden. Der DBL-Servicekreislauf könnte so erweitert werden. Diese Erweiterung würde ökologische Vorteile bringen, die Corporate Social Responsibility des Unternehmens stärken und könnte ebenfalls Wettbewerbsvorteile erwirken. Zum anderen wird ebenfalls durch die Vermeidung der thermischen Verwertung CO2 eingespart, was ebenfalls positive Auswirkungen auf die Umwelt hätte. Aber auch die Zugehörigkeit zum DBL-Verbund bietet eine zentrale Chance. Das Unternehmen kann durch die Mitgliedschaft von Erfahrungsberichten anderer Verbundsmitglieder profitieren. Durch diese Erfahrungsberichte sowie durch die gelebte Transparenz innerhalb des DBL-Verbunds, können potenziellen Risiken der Einführung eines Textilrecyclingkonzepts aktiv und frühzeitig entgegengewirkt werden.
*Textilrecycling als Baustein nachhaltiger Unternehmensführung im textilen Mietservice – Chancen und Risiken für die Kuntze & Burgheim Textilpflege GmbH, Praxistransferarbeit IV, WELFENAKADEMIE in Braunschweig, vorgelegt von Keno Rutsch, 2025.
Möchten Sie mehr erfahren über das Thema Textiles Recycling oder über Nachhaltigkeit bei der DBL? Kontaktieren Sie uns gerne unter info(at)dbl.de.