Schutzkleidung richtig pflegen

Die häufigsten Fragen zur Pflege von Schutzkleidung.

 

Genormte Schutzkleidung unterliegt strengen Regeln – bei der Anschaffung und nach der Wäsche. Dennoch geschehen in der Praxis immer wieder folgenschwere Fehler im Umgang mit schützenden Berufskleidung. Jan Kuntze, Textilingenieur und Geschäftsführer unseres Vertragswerks Kuntze & Burgheim, beantwortet die häufigsten Fragen aus der Praxis.

Welche Verantwortung trägt heute ein Unternehmen, das normgerechte PSA für seine Mitarbeiter anschafft?
Bei Bedarf ist der Unternehmer verpflichtet, seinen Beschäftigten funktionsbereite PSA am Einsatzort zur Verfügung zu stellen. Dies ist detailliert in den ‚Berufsgenossenschaftlichen Regeln für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit‘ beschrieben – hier die BGR 189. Was ‚geeignet‘ im individuellen Fall bedeutet, muss er mittels einer Gefahrenanalyse ermitteln. Dann kann er die entsprechende PSA anschaffen. Zusätzlich muss er aber auch die uneingeschränkte und dauerhafte Schutzfunktion der Kleidung sicherstellen.

Wie kann der Betrieb seine Schutzkleidung selbst prüfen?
Gerade die Sicherstellung der dauerhaften Schutzfunktion der Berufskleidung ist für jedes Unternehmen eine Herausforderung. Denn während der Verantwortliche beim Kauf auf Basis der Herstellerangaben und der eingenähten Labels deren Normen und Eigenschaften im Neuzustand nachweisen kann, tappt er bei bereits eingesetzter Schutzkleidung meist im Dunkeln. Schäden an der Kleidung, aufgenähte Labels oder Reparaturstellen, aber eben auch die nicht fachgemäße Wäsche, verändern die ursprünglichen Eigenschaften. Und so kann aus einer sicheren Schutzkleidung schnell eine tödliche Falle werden.

Wie wird eine fachgerechte Aufbereitung von Schutzkleidung gewährleistet?
Der komplette Aufbereitungsprozess muss von der Sortierung bis zur Zusammensetzung der Waschmittellauge auf die besonderen Anforderungen der jeweiligen PSA abgestimmt sein. Hier existieren spezifische Wasch- und Bearbeitungsprozesse für die Pflege der Schutzkleidung, die wir als Anbieter von textilem Mietservice täglich anwenden. Damit gewährleisten wir die dauerhafte Aufrechterhaltung der Schutzfunktionen. Sollte diese bei dem eingesetzten Kleidungsstück nicht mehr gegeben sein, erfolgt der automatischen Austausch durch uns. Klar dokumentiert und nachvollziehbar für unsere Kunden.

Der Waschprozess bei PSA – worauf kommt es da an?
Die wichtigsten Parameter bei der Wäsche von Schutzkleidung sind die Füllung der Trommel, das eingesetzte Waschmittel, die Waschzeit, Drehzahl und die Prozesstemperatur – auch bei der anschließenden Trocknung. Um hier die Gewebe zu schonen und die Lebensdauer der PSA zu optimieren, erarbeiten wir gemeinsam mit den Herstellern der Kleidung, unseren Waschmittellieferanten und hauseigenen Technikern individuelle Waschprogramme, die in der EDV hinterlegt und dann abgerufen werden. Das Augenmerk dieser Verfahren liegt dabei nicht alleine auf der Sauberkeit der Schutzkleidung. Während diese bei ‚normaler‘ Berufskleidung im Fokus steht, muss es bei der PSA die Aufrechterhaltung der Schutzfunktion sein. Es geht bisweilen sogar so weit, dass der Schutz vor der Sauberkeit steht. Beispiel Warnschutzkleidung – hier zählt eine dauerhafte Leuchtkraft der Farben. Nicht immer kann da jede einzelne Verfleckung aus den Artikeln entfernt werden.

Wie wird PSA nach der Wäsche kontrolliert?
Alle Schutzfunktionen, die sich bei der PSA durch tägliche Nutzung und Aufbereitung im Laufe der Zeit verändern können, unterliegen im Mietservice einer regelmäßigen intensiven Kontrolle. Da unsere Mitarbeiter im Zuge der Qualitätsprüfung jedes einzelne Kleidungsstück einscannen, wissen sie sofort, was genau zu kontrollieren ist. Beispiele: Die Funktionalität jedes einzelnen Teiles mit Reflexmaterial wird mittels einer Prüflampe kontrolliert und bei klar vorgegebenen Grenzwerten ausgetauscht. Chemikalienschutzkleidung wird dagegen stichprobenartig durch ein aufwändiges textiltechnisches Prüfverfahren überwacht. Hier wird bei Bedarf dann gleich die gesamte Charge erneut imprägniert und geprüft – oder eben auch gegen neue Kleidung ausgetauscht.

Was kann passieren, wenn falsch gepflegte PSA eingesetzt wird?
Einiges – nur drei Beispiele: Falsch gewaschene Warnschutzkleidung büßt die Leuchtkraft seiner Farbe ein, zudem werden die Reflexmaterialien geschädigt. Chemikalienschutz, der keine ausreichende Nachimprägnierung erhält, verliert seine komplette Schutzwirkung. Und Schweißerschutzkleidung, die unsachgemäß gewaschen und nicht gründlich genug gespült wurde, kann bei Kontakt mit einer Flamme anfangen zu brennen.Ein weiterer, aber oft nicht wahrgenommener Faktor ist hier übrigens auch die unsachgemäße Reparatur von Schutzkleidung. Wird Schweißerschutz mit falschem Nähgarn repariert, können an der Reparaturstelle metallische Schweißperlen auf die Haut gelangen. Hier stellen wir im textilen Mietservice natürlich sicher, dass Reparaturen mit Originalmaterial – also Garn, Knöpfen, Reißverschlüssen – unter Berücksichtigung der Verarbeitungsweisen des Konfektionärs durchgeführt werden. So gewährleisten wir, dass der Artikel auch nach der Reparatur die geforderte Schutzwirkung aufweist.

Gibt es dann auch Vorgaben bei der Ausstattung von Schutzkleidung mit Namens- und Firmenemblem zu beachten?
Ja, selbstverständlich. Nicht alle Embleme sind an allen Stellen möglich. Diese Einschränkungen sind notwendig, da die Aufnäher in Ausführung, Material, Größe und Position auf die Schutzfunktionen der jeweiligen PSA abgestimmt werden müssen. So lassen sich z.B. bei flammhemmenden Emblemen aufgrund ihrer chemischen Struktur nicht alle Farben darstellen. Bei Warnschutzkleidung gibt es Vorgaben bezüglich der maximal zulässigen Fläche, welche durch Embleme abgedeckt werden darf. Und beim Chemikalienschutzkleidung existieren Einschränkungen hinsichtlich der möglichen Positionen. Grundsätzlich gilt: Die normgerechte Schutzfunktion der PSA darf auf keinen Fall beeinträchtigt werden.

Was passiert, wenn eine Norm sich ändert?
Dann muss man rechtzeitig informiert sein. Normen unterliegen einem ständigen Überarbeitungsprozess. Als textiler Mietdienstleister sind wir hier mit unseren Fachleuten in den entsprechenden Gremien vertreten. Dadurch wissen wir – und natürlich auch unsere Lieferanten – schon recht früh, was kommende Normen an Vorgaben bringen werden. So können wir in Zusammenarbeit mit den Konfektionären darauf reagieren. Mit überarbeiteter Schutzkleidung – und mit angepassten Pflegeprozessen. So gehen auch die Unternehmen, die wir beliefern, auf Nummer sicher. Einerseits, weil sie ihren Mitarbeitern dauerhaften Schutz gewährleisten. Andererseits können nach einem Arbeitsunfall und einer Prüfung durch die Berufsgenossenschaft entsprechende Nachweise über die eingesetzte PSA und deren Aufbereitung erbracht werden. Schließlich will niemand seinen Versicherungsschutz riskieren.

Welche Tipps geben Sie den Anwendern in der Praxis mit auf den Weg?
Der Träger sollte sich auf jeden Fall mit den Hersteller- bzw. Benutzerinformationen des jeweiligen Artikels vertraut machen – auch diese wird von uns im Mietservice mitgeliefert. Wir beraten auch gerne persönlich. Diese enthalten genaue Erklärungen über den möglichen Schutz, den die PSA bieten kann und gibt Vorgaben bezüglich der richtigen Verwendung. Beispiel: Gießt sich ein Mitarbeiter, der PSA mit Chemikalienschutz trägt, tatsächlich ätzende Flüssigkeit über die Hose, sollte sie nicht Stunden weitergetragen werden… Alles schon passiert.